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Willkommen zu Versicherungen,
Thema Welche Arbeitsmöglichkeiten bieten sich für Juristen bei Kunstversicherungen?

 
Interview mit Dietmar Telschow, Manneheimer Versicherungen, Mannheim
Herr Telschow, das Spektrum der Kunst reicht von der bildenden Kunst über die darstellende Kunst bis zu Musik- und Filmproduktion. Auf welche Sparten der Kunst ist eine Kunstversicherung ausgerichtet?
Kunstversicherungen sind klassischerweise zunächst auf die bildende Kunst gerichtet: Gemälde, Skulpturen, auch Medienkunst. Unser Haus ist außerdem spezialisiert auf die Versicherung von klassischen Musikinstrumenten. Es gibt aber beispielsweise auch Gesellschaften, die sich ausschließlich mit der Versicherung von Filmproduktionen beschäftigen.
Der Bereich der darstellenden Kunst ist für die Kunstversicherung weniger einschlägig. Kunstversicherung ist immer die Versicherung einer Sache, und bei Sängern oder Tänzern steht die Versicherung der Person im Vordergrund. Für diese Berufsgruppen gibt es dann wiederum eigene Programme.

DIE PRODUKTE EINER KUNSTVERSICHERUNG

Welche Produkte bieten Kunstversicherungen an?
Die Kunstversicherung selbst ist zunächst ein klassisches Produkt der Transportversicherung. Deshalb ist sie immer eine Allgefahren-Versicherung. Anders als bei der Hausratversicherung werden also nicht nur Gefahren etwa durch Einbruch, Diebstahl, Feuer, Wasser etc. versichert.
Man hat sich aber überlegt, welche besonderen Bedürfnisse im Kunstbetrieb bestehen. Daraus haben sich dann besondere Bedingungen für die verschiedenen Bereiche entwickelt, also für den privaten Sammler, das Museum, den Galeristen, den Restaurator, das Auktionshaus, den Transportunternehmer usw.
Bei der Mannheimer verstehen wir uns aber nicht nur als Versicherungsdienstleister, sondern darüber hinaus auch als Servicedienstleister. Wir wollen aus einer Hand die versicherungstechnische Erfahrung genauso bieten wie die kunsthistorische und konservatorische Erfahrung. Deshalb haben wir mitterweise sechs fest angestellte Kunsthistoriker, die zum Kunden fahren und dessen Sammlung aufnehmen und bewerten. Wir geben eine Kundenzeitung heraus, die 'Art News', haben ein eigenes Wach- und Schließunternehmen mitgegründet und bieten auch einen Haushüterservice an.

Eine Kunstversicherung wird es mit einem sehr speziellen Kundenkreis zu tun haben.
Da gibt es durchaus ein breites Spektrum. Zum Beispiel den jungen Sammler, der sich als Einsteiger versteht und damit beginnt, eine Sammlung aufzubauen. Dann gibt es natürlich auch den professionellen Sammler, der mit seinen Stücken weltweit auf Ausstellungen präsent ist. Die versicherten Sammlungen reichen also von wenigen Werken mit einer Gesamtsumme von vielleicht 50.000,- DM bis zur Sammlung, die weit im zweistelligen Millionenbereich liegt. Entsprechend müssen die Besonderheiten des jeweiligen Sammlers berücksichtigt werden. Sammler, die ihre Werke häufig ausstellen, brauchen einen anderen Versicherungsschutz als diejenigen, die erst am Anfang stehen.

Infolge des Zweiten Weltkriegs sind Unmengen von Kunstwerken den rechtmäßigen Eigentümern entrissen worden. Ergeben sich durch die Raubkunst besondere Probleme für Kunstversicherungen?
Nein, weil ungeklärte Eigentumsfragen zunächst nicht die Versicherung berühren. Was allerdings problematisch werden kann, sind die Kosten, die nach einer Beschlagnahme entstehen, um das Kunstwerk wieder frei zu bekommen.

DER MARKT FÜR KUNSTVERSICHERUNGEN

Wie sieht der Markt für Kunstversicherungen national und international aus?
Sowohl national als auch international ist das ein sehr enges Gebiet, auf dem es letztlich nur eine Hand voll spezialisierter Anbieter gibt. Zwar bieten viele Gesellschaften auch Kunstversicherungen an, aber die wenigsten haben eben das spezielle Fachwissen.

Arbeiten auch die deutschen Versicherungen international, oder bleibt jeder auf seinem nationalen Terrain?
Das hängt auch wieder vom jeweiligen Unternehmen ab. Einige Gesellschaften versichern nur inländische Risiken. Die Mannheimer Versicherung begleitet jedoch ihre Kunden weltweit.

Der Kunstmarkt hat Ende der 80er Jahre einen explosionsartigen Boom erlebt, und nach einem Tief in den 90ern erreichen Umsätze und Verkaufspreise im Kunsthandel nun wieder dieses Rekordniveau. Wächst damit auch der Markt für Kunstversicherungen?
Ja, denn mit dem wachsenden Kunsthandel wachsen auch die Umsätze der Galeristen und Auktionshäuser. In der Folge müssen auch die Versicherungssummen angepaßt werden. Andererseits geht mit einem Rückfall des Kunstmarktes und einer Pleitewelle bei Handelshäusern auch der Umsatz bei der Kunstversicherung zurück.

Welche Berufsgruppen arbeiten bei einer Kunstversicherung zusammen?
Im wesentlichen sind das Kaufleute, Versicherungskaufleute und Kunsthistoriker. Bei uns sind das 12 Angestellte, davon sechs Kunsthistoriker. Einen Juristen haben wir in dieser Abteilung nicht, das läuft dann über die allgemeine Rechtsabteilung.

Welche Aufgaben hat ein Jurist bei einer Kunstversicherung?
Das Arbeitsfeld von Juristen ist zweischichtig. Einmal geht es grundsätzlich um die rechtliche Situation von Kunst selbst. Hinzu kommt die Entwicklung der Versicherungsbedingungen. Das ist ein Zusammenspiel von Rechtsabteilung und Fachabteilung. Es wird aber kaum ein Jurist nur für eine Kunstabteilung arbeiten, sondern immer auch andere Bedingungswerke entwickeln.
Der Bereich Kunst ist für Juristen aber sicherlich auch als externer Ratgeber von Versicherungen hochinteressant, weil es viel zu wenig Spezialisten gibt. Nehmen Sie nur Bereiche wie das Staatshaftungsrecht oder das Erbrecht. Wer sich hier auf das Kunstrecht einläßt, hat sicherlich einige Möglichkeiten.

Aufgrund der Kundenschicht dürfte die Versicherung in Streitfällen nicht an Prozessen interessiert sein. Welche Streitschlichtungsmechanismen bevorzugen Sie?
Zunächst ist in den Verträgen ein Sachverständigen-Verfahren geregelt. In diesem Verfahren beauftragt die Gesellschaft einen Sachverständigen mit einem Gutachten. Sollte der Kunde mit diesem Gutachten nicht einverstanden sein, holt er seinerseits ein weiteres ein. Stimmen diese beiden Gutachten nicht überein, benennen die Sachverständigen einen Obmann. Der erstellt dann ein Schiedsgutachten.
Bei der Kunst kommt die Besonderheit hinzu, daß man mehrere Stimmen zu einem Schaden hören wird, weil beispielsweise der Wert eines Kunstwerks nur schwer abschließend festgelegt werden kann.
Natürlich kann es passieren, daß man sich aus ganz sachlichen Gründen nicht einig wird. Dann muß eine Sache eben vor Gericht geklärt werden.

Der Kunsthandel und damit die Kunstversicherung ist ein globales Geschäft. Sehen Sie einen Bedarf an international greifenden Streitschlichtungsmechanismen?
Ohne Frage. Das betrifft weniger den Bereich der Kunstversicherung. Aber nehmen Sie Länder mit einem sehr restriktiven Leihverkehr, zum Beispiel Italien, aus dem vielerlei Problematiken entstehen. Hier werden Juristen benötigt, die sich mit dem Recht länderübergreifend auseinandersetzen.
Oder wenn Sie an die Staatshaftung in Deutschland denken: jedes Bundesland hat andere Bestimmungen. Problematisch wird es auf internationaler Ebene natürlich auch, wenn Beutekunst-Fälle auftauchen.

DIE JURISTISCHEN QUALIFIKATIONEN

Welche juristischen Qualifikationen werden von Versicherungen gefordert?
Man muß nach dem Arbeitsgebiet unterscheiden: Soll der Jurist am Schreibtisch Regelwerke entwickeln und sich mit rechtlichen Fragen auseinandersetzen, oder soll er vor Ort mit den Kunden und damit mit hochkarätigen Personen in Kontakt stehen und das Unternehmen repräsentieren? Im letzteren Fall sind die Anforderungen an Auftreten und Rethorik natürlich ganz anders.
Ich habe mittlerweile Juristen kennengelernt, die neben der juristischen Ausbildung auch eine kunsthistorische Ausbildung haben. Das ist natürlich ein Optimalzustand, den man nicht als Standard fordern kann. Für unsere Kunstabteilung ist ideal nicht der Jurist, sondern die Kombination Kunsthistoriker und Versicherungskaufmann. Juristen arbeiten fächerübergreifend in der Rechtsabteilung. Und dafür sind natürlich Kenntnisse des Marktes förderlich: Preisfindung im internationalen Kunstmarkt, Leihverträge usw. Praktika etwa bei Auktionshäusern bringen da einen guten Vorteil.

Welche persönlichen Eigenschaften werden neben den juristischen Qualifikationen benötigt?
Bei einer Person, die nach Außen repräsentieren soll, sind sprachliche Fähigkeiten nötig, Durchsetzungsvermögen, vertriebliches Geschick. Man muß auf die Kunden individuell eingehen können. Aufgrund dieser Anforderungen wird man in der Regel nicht direkt nach der Uni in einen solchen Job gelangen.
Außerdem ist Diskretion ein absolutes Muß, da mit vertraulichen Daten umgegangen wird.

Wie wichtig sind Sprachkenntnisse und Auslandsaufenthalte?
Gerade in einem internationalen Umfeld wie Kunsthandel und Kunstversicherung sind Englischkenntnisse notwendig. Internationale Erfahrungen würden dies natürlich unterstreichen.

Bieten Kunstversicherungen Möglichkeiten für Praktika oder Referendars-Stationen?
Der Gedanke ist noch ganz neu für uns. Das wäre aber sicherlich eine interessante Sache. Beispielsweise haben wir uns gerade mit Fragen der Staatshaftung auseinandergesetzt - ein gutes Thema für einen Juristen. Die Kunst-Studenten werden während der Praktika bei uns in den normalen Tagesablauf eingebunden. Die bekommen alles mit, von der Bewertungsthematik bis zu den versicherungstechnischen Abläufen. Für einen Jura-Studenten müßte man wohl eher ein Projekt ganz konkret definieren.

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